Die Suche


Von der Amöbe zu Gott


... die Suche nach was?

 

Der Antrieb zu suchen ist nicht allein auf den Menschen beschränkt, denn er ist ein Teil der Evolution und seine entwicklungsgeschichtlichen Vorgänger haben ebenfalls gesucht. Die einzellige Amöben etwa suchte nach Futter oder angenehmen Temperaturen, Pflanzen suchen nach Licht und Nährstoffen und Tiere ebenfalls nach Futter und Unterschlupf. Die Suche ist etwas, was offenbar in den evolutionären Mechanismus eingebaut ist und uns ebenfalls beim Menschen begegnet.

 

Man spricht von vier Stadien der Suche, nämlich nach Nahrung, Geld, Macht und - Sinn.

 

Von den ersten drei Formen soll hier weniger die Rede sein, denn sie sind uns allen wohl bekannt. Doch in diesen Zeiten des Kali Yugas kann man zu dem Schluss gelangen, dass die Wünsche und Erwartungen, die man vielleicht einmal gehegt hatte, nicht erfüllt werden können. Dieses Zeitalter stellt auf einer kollektiven Ebene Illusionen bloß und viele unerschütterlichen Systeme erweisen sich als doch nicht so haltbar.

Vielleicht stellt man auch fest, dass einen die Wünsche, die man sich erfüllt hat, möglicherweise auch nicht zufriedener gemacht haben.

Dies ist der Moment, in dem - zumindest bei manchen Menschen - konkrete Fragen nach höheren Dingen, nach einem "Jenseits", nach dem Sinn des Daseins auftauchen. Bei anderen stellt sich vielleicht nur ein diffuses Gefühl von Unsicherheit, Unzufriedenheit oder Rastlosigkeit ein. Sie fragen sich, was das alles soll? Es erscheint doch alles sinnlos. Man müht sich sein Leben lang ab und am Ende geht man doch mit leeren Händen ins Grab usw.

 

Weil sie keine zufriedenstellenden Antworten finden, geben sich manche vielleicht mit einer fatalistischen Einstellung zufrieden, kompensieren die Ratlosigkeit mit einer zynischen oder sarkastischen Lebenseinstellung oder schieben diese Fragen einfach als lächerlich oder als Hirngespinste zur Seite und wenden sich wieder den sogenannten realen Dingen des Alltags zu oder Füllen die Leere in sich mit Frivolitäten oder anderen destruktiven Dingen.

 

Doch statt in Melancholie, Depressionen oder einem sogenannten Realismus zu versinken, was eigentlich nichts anderes als Formen von Materialismus sind, gehen manche auch ernsthaft den o. g. Fragen nach. Dies sind die Menschen, die den Ruf gehört haben und dies es schon immer und überall gegeben hat. Ihnen erschien das normale Dasein oberflächlich, und sie haben nach dem gefragt, „was die Welt im Innersten zusammenhält“. Sie hatten vielleicht eine Ahnung, dass es Etwas geben musste, was unvergänglich war und jenseits von Raum und Zeit ewig existieren musste und das nicht von irgendwelchen weltlichen Dingen beeinflusst oder sogar zerstört werden konnte.

 

Es sind diese Menschen, die seit Urzeiten als spirituelle Sucher bezeichnet werden und die sich m. o. w. bewusst aufgemacht haben, nach dem Räderwerk hinter den Kulissen zu suchen. Sie machten sich alleine oder in Gruppen auf den Weg, suchten zunächst im Äußeren, doch mussten immer wieder feststellen, dass sie es dort nicht fanden.



Jog.Wa (Anadi Nirguni) - Die Bitte eines Suchers aus Maharashtra


Refrain

Aicha Jog.wa

Jog.wa Magen., Aicha Jog.wa

 

Strophen

 

Anadi Nirguni Pragatali Bhavani

Ude Bai, Ude Bai, Ude Bai, Ude

Moha Mahishasura Mardana Laguni

Trividh. Tapanzi Karavaya Zharani

Bhakta Laguni Pav.Si Nirvani

Bhakta Laguni Pav.Si Nirvani.

 

Dvait. Saruni Marl. Mi Ghalin.

Ude Bai, Ude Bai, Ude Bai, Ude

Hati Bodhcha Zhenda Mi Gehein.

Ude Bai, Ude Bai, Ude Bai, Ude

Bhed. Rahit. Ga Varisi Zain.

 

Navavidh. Bhaktichya Karuni Navaratra

Karuni Nir.Karna Magen. Dnyan. Putra

Dambh. Sasara Sorin. Kuputra

 

Purna Bodhachi Bharin. Mi Parari

Asha Manishanchya Parin. Mi Darari

Mano Vikara Krin. Kur Vandi

Amrut. Rasachi Bharin. Mi Durari

 

Ata Saazini Zahle Mi Nih. Sang.

Vikalpoa Navryacha Soriyela Sang.

Kaam. Krodh. He Sodiyele Mang.

Kela Mok. Rla Marg. Ha Surang.

 

Aisa Jog.wa Maguni Thevila

Zauni Mahadwari Navas. Mya Fedila

Eka Janardani Ekacha Dekhila

Janma Mar.Natza Phera Mya Chukvila.

 

.

 

 

Refrain

Mutters Yoga

Ich sollte gehen und um Mutters Yoga bitten

 

Strophen

 

Bhavani, die formlose und ewige Göttin ist inkarniert

Erhebe Dich, Mutter Kundalini!

Den üblen Mahishasura hat Sie vernichtet

Um die drei Arten von Körperhitze[1],

die durch Sünden erzeugt werden, zu beenden

 

 

Ich werde die Dualität beseitigen und die Göttin mit Girlanden umkränzen

Die Fahne des Verstehens werde ich hochhalten

Und alle Unterschiede der Kaste, Rasse und Hautfarbe vergessen und auf Pilgerfahrt gehen

 

Neun Gebete spreche ich in neun Nächten

Bitte um den Sohn, der für das Wissen in mir steht

Und gebe den Schwiegervater meines Ärgers auf

 

Ich fülle mein Behältnis mit Wissen

Gebe auf all mein Verlangen

Die Begrenzung meines Verstandes

Und fülle diesen Körper mit Ambrosia.

 

Jetzt bin ich losgelöst

Habe den Ehemann des Zweifels aufgeben.

Meine Lüsternheit und meinen Ärger

Und meinen spirituellen Weg gereinigt

 

Ich habe meine Mutter um Yoga gebeten

Und mein Versprechen gehalten, Ihr Geschenke anzubieten, sobald ich es erreicht habe

Eknath sagt: “Jetzt bin ich eins mit Gott.“

Und über den Kreislauf von Tod und Wiedergeburt hinausgewachsen

 

[1] Sardi, Garmi und Pitta



Obwohl auf diesem Weg der Suche nach einer „höheren Macht“ viele Gefahren und Irrwege lauerten, gab und gibt es auch Hilfestellungen. An dieser Stelle ist es für viele vielleicht bloß eine Frage des Glaubens. Doch es ist ebenfalls einen Tatsache, dass das „Jenseitige“ oder „höhere Mächte“ zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten speziell den Wünschen der Sucher bzw. allen Menschen zu Hilfe kamen, um sie auf den richtigen Weg zu führen.

 

Dies geschah durch sehr hoch entwickelte Persönlichkeiten oder, um es genauer auszudrücken, Wesen in Menschengestalt, die in bestimmten Abständen auf der Erde erschienen und den Menschen höhere Wahrheiten vermittelten. Diese höheren Wesen werden als göttliche Inkarnationen oder auch Avatare bezeichnet. Doch es sei zunächst dahingestellt, ob man daran glaubt oder nicht.

 

Persönlichkeiten wie Abraham, Moses, Lao Tse, Konfuzius, Zarathustra, Sai Baba von Shirdi, Mohammed, Rama, Krishna, Buddha oder Jesus Christus kamen alle auf die Erde, um den Menschen Hilfestellungen bei ihrer Suche nach dem Höchsten zu geben, insbesondere in Krisenzeiten. Je nachdem, in welcher Zeit und in welcher Gesellschaft sie inkarnierten, war ihre Botschaft daran angepasst. Doch im Prinzip war die Essenz ihrer Lehren immer dieselbe. Auch weniger bekannte wie Ramana Maharshi oder Mahayogi Gangagiri haben in jüngere Zeit, die Botschaft verbreitet. Zu den bedeutendsten Persönlichkeiten unseres Jahrhunderts aber ist Shri Mataji Nirmala Devi zu zählen.

 

Schaut man sich das Leben von Buddha etwas genauer an, so kann man sagen, dass er anfangs sowohl die Qualitäten eines Suchers wie auch später die eines spirituellen Meisters verkörperte. Als wohlhabender Prinz Siddharta geboren, hätte er sich keinesfalls um irgendwelche höheren Weisheiten bemühen müssen, doch angesichts von Tod und Krankheit erwachte die Frage nach der Ursache des Leids in ihm. In seiner beispiellosen asketischen Suche gab er alle Annehmlichkeiten seines bisherigen Lebens auf und erkannte durch Meditation und Askese, dass die Ursache für das Leid des Menschen in seinen Wünschen liegt - und dass die Befreiung von diesen Wünschen letztlich die Selbst-Verwirklichung, die Erleuchtung, Samadhi, Moksha, Yoga und die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten und die endgültigen Einheit mit dem Höchsten Wesen ermöglicht. Immer wieder wird seine Erkenntnis gerne vergessen, dass es nicht notwendig ist, ein so radikal asketisches Leben zu führen, wie er es getan hatte, um dieses Ziel zu erreichen. Heute wird der Buddhismus oft auf Askese und Vegetarismus reduziert und ist in seiner Form als Lamaismus zu einem ausbeuterischen System degeneriert.

Der Archetyp des Suchers ist übrigens König David. Zeit seines Lebens war er bestrebt, nach den Wünschen seines Herrn zu leben. Er verehrte ihn zutiefst, war mutig und stark, machte aber auch viele Fehler und handelte egoistisch.

 

Allgemein kann man sagen, dass die biblische Geschichte von der Vertreibung aus dem Paradies ein Metapher für den Beginn des Menschseins an sich. In dem Moment als die Schlange – die übrigens überhaupt nicht negativ zu sehen ist – Eva den Apfel vom Baum der Erkenntnis reichte, erkannten sie den Unterschied zwischen Gut und Böse. Vorher war ihnen das nicht bewusst, denn sie waren wie die Tiere und lebten ihren Instinkten entsprechend. Erst in diesem Moment der Erkenntnis, wurden sie zu Menschen und begaben sich – nun mit freiem Willen ausgestattet – auf die lange Reise, wieder das Tor zum Paradies, die Einheit mit dem Göttlichen zu finden – diesmal aber auf einer höheren, bewussteren Ebene.

 

So gesehen ist die Geschichte der Menschheit von diesem Zeitpunkt an eigentlich nichts anderes als eine m. o. w. bewusste Suche nach der Rückkehr ins verlorene Paradies.

 

Leider muss man sagen, dass es in der abendländischen im Gegensatz zur östlichen Hemisphäre kaum oder gar keine Tradition für die Beziehung zwischen einem spirituellen Sucher und seinem Meister gegeben hat. Wollte sich hier im Westen ein Sucher dem Göttlichen nähern, so war er entweder auf sich alleine gestellt, oder er musste bestehende Angebote annehmen. Dies waren zumeist christliche Klöster. Obwohl die Absichten des Suchers vielleicht aufrecht gewesen sein mochten, war es sehr fraglich, ob er oder sie durch die, in diesen von den organisierten Kirchen geführten Einrichtungen, praktizierten Exerzitien tatsächlich dem Göttlichen näher kamen.

 

Es gab aber auch Ausnahmen. Auch in der westlichen Hemisphäre, der abendländischen Tradition suchten immer Einzelne den Weg zum Göttlichen, z. T. innerhalb konventioneller Grenzen, z. T. außerhalb. John Noyce hat dies als die Tradition der Weisheit bezeichnet und die Begegnungen von vielen abendländischen Gelehrten, Dichtern und Künstlern wie Jakob Böhme, Hildegard von Bingen, Dante Alighieri, Wladimir Solowjow, Nicholas Roerich u. v. a. mit dem Göttlichen über einen Zeitraum von 2000 Jahren zusammengefasst. Nicht zu vergessen sind auch frühchristliche Strömungen wie die der Gnostiker, die von der etablierten Kirche erbittert bekämpft wurden.

 

Im Gegensatz dazu gab es in den östlichen Ländern und hier besonders im indischen Subkontinent eine Jahrtausende alte Tradition, die jedem, der es wollte, eine spirituelle Einweihung durch (in der Regel) wahrhaft erleuchtete Meister ermöglichte und sogar, in Abhängigkeit von der Qualität des Suchers und des Meisters, zur Befreiung führen konnte. Trotzdem war es nicht einfach, und es war nur wenigen vergönnt, dass letzte und höchste Ziel, die Einheit mit dem Göttlichen, auch tatsächlich zu erreichen. Patrick Sheridan beschreibt das nach den Lehren von Shri Mataji Nirmala Devi in seinem Buch Und du erwartest zu fliegen so:

 

Ein potentieller Schüler musste sich an einen Guru wenden und die Stärke seines (oder gelegentlich ihres) Wunsches und Entschlusses streng überprüfen lassen, bevor der Guru ihn akzeptierte. Der Jünger wurde dann durch eine lange und strenge „Lehre“ geführt, die das Ziel hatte, seine Aufmerksamkeit von weltlichen Wünschen und Ehrgeiz zu lösen und Kontrolle über das zugrunde liegende Energiesystem zu erlagen, das sie antrieb. Die Disziplinen des Yogiaspiranten waren dazu bestimmt, das subtile System auszubalancieren und die Aufmerksamkeit mit den Energieprinzipien der Chakras in Einklang zu bringen. Geistige, körperliche und emotionale Schwächen mussten angesprochen, ihre Ursachen identifiziert und Defekte beseitigt werden. Yoga, Meditation, Askese, Ernährung, Mantras und religiöse Rituale spielten alle ihre Rolle, aber ihr Gebrauch musste von einem selbst-realisierten Guru mit unmittelbarer vibratorischer Kenntnis des subtilen Systems des Jüngers geleitet werden.

 

Der Guru leitete den Aufstieg, indem er systematisch Übungen zur Reinigung und Stärkung der Chakras verordnete, die auf die Bedürfnisse des Jüngers zugeschnitten werden mussten. Mantras usw. konnten verwendet werden, um spezifische Chakras zu stimulieren, aber ihr Gebrauch musste angepasst werden, wenn der Aufstieg Fortschritt und andere Energiezentren Aufmerksamkeit erforderten.

 

Eine Flut von Vibrationen floss ständig von der Kundalini des Gurus ins subtile System des Jüngers und lud die schlafende Kundalini im Innern ein zu erwachen. Der Guru unterstützte ihren Aufstieg und half, die Prinzipien der Chakras zu festigen, bis die Kundalini durch das Sahasrara Chakra am Scheitel austrat und die Selbst-Verwirklichung erreicht wurde.

 

Außer beim höchsten Kaliber von Suchern blieb, Shri Mataji zufolge, sogar das bei allen eine Zwischenstufe, denn das embryonale göttliche Wesen blieb nach der Erweckung im kosmischen Ei eingeschlossen, während ein Prozess des Wachstums und der Transformation stattfand. Nur wenn dieser abgeschlossen war, erschien wirklich ein neues göttliches Wesen und erwachte in einen transzendenten Bereich aus Seligkeit und Staunen.

Das kam vor, wenn alle Chakras völlig in das Sahasrara Chakra, den „Tausendblättrigen Lotus“ auf dem Scheitel integriert waren. Sie stimmte zu, dass das als „Gottesverwirklichung“ bezeichnet werden könnte, was aber nicht bedeutete, Gott zu werden. Es war eher ein Erwachen in eine höhere Welt, wo das Bewusstsein eins mit dem Göttlichen war und Gott überall offenbar.

 

Für einen Sucher von der Qualität Buddhas, sagte sie, bedeutete die Erweckung der Kundalini sofortige Gottesverwirklichung, aber für die meisten Aspiranten bedeutete es, die Verbindung mit der alles durchringenden Kraft zu festigen und das subtile System zu nähren, bis es sein volles Potential entwickelte. Sie erklärte, dass Buddha seine Anhänger lehrte, nicht an Gott zu glauben, weil er wollte, dass sie das Göttliche unmittelbar erfahren sollten, statt mentale Konzepte darüber zu konstruieren. Ähnlich sagte sie, lehrte Mohammed seine Anhänger, Idole zu vermeiden, die in der Gesellschaft, in der er lebte, verbreitet waren und an die Einheit Gottes zu glauben. Viel von der Art wie ein spirituelles Wesen lehrte, musste an die Mentalität der Menschen in seiner Umgebung und an die Zeiten angepasst werden, in denen es lebte.

 

Wie schon auf der ersten Seite Das 21. Jahrhundert erwähnt, leben wir aber heute in einer besonderen Zeit, der Zeit der Wiedergeburt, der Auferstehung und der Apokalypse. Es ist die Zeit, in der es besonders viele Sucher auf der Erde gibt, und es wurde vorhergesagt, dass alle, die ihre Erlösung suchen, sie in dieser Zeit bekommen werden.