Das 21. Jahrhundert


In der Dunkelheit werden Lichter entzündet


Auch wenn man eine relativ oberflächliche Sicht der Dinge hat und den Blickwinkel begrenzt auf westliche Denkweisen beschränkt, stellt man fest, dass das begonnene Jahrhundert Besonderheiten aufweist. Obwohl uns ständig neue Errungenschaften, Theorien oder bahnbrechende, wissenschaftliche Erkenntnisse präsentiert werden, zeigen sich auf der anderen Seite deutliche Zeichen von Degeneration, sowohl auf kollektiver als auch individueller Ebene. Da sich die präsentierten Errungenschaften sich meist als nicht fähig erweisen, die anstehenden Probleme wirklich zu lösen, stellt sich eine Verwirrung, Orientierungslosigkeit, und ein allgemeines Gefühl der Ermüdung und Verdrossenheit, ja vielleicht sogar Depression ein.

 

Zieht man Quellen mit weiterem Blickwinkel zu Rate, so wird die Zeit, in der wir jetzt leben, von fast allen großen ethisch-moralischen Systemen erstaunlicherweise sehr ähnlich als genau das beschrieben, was wir sehen: eine Zeit des Verfalls und der Umkehr von Werten, des Niedergangs und der Herrschaft niederer Triebe. Das Christentum bezeichnet diese Zeit als Jüngstes Gericht, im Islam wird sie Al-Qiyamah (Wiederauferstehung) genannt. Der Hinduismus bezeichnet sie als Kali Yuga.

 

Es gibt eine Flut von Informationen über dieses Zeitalter, die jedem, der es möchte, zugänglich sind. Es wäre opportun, in dasselbe große Horn der Weltuntergangstheorien zu stoßen und mit der Apokalypse zu drohen. Doch obwohl es wahr ist, dass wir in einer Zeit des Verfalls leben und dieser Teil also seine Berechtigung hat, wird meistens ein anderer Teil unterschlagen.

 

Deshalb möchte ich einen Ausschnitt einer Rede von Shri Mataji Nirmala Devi anlässlich des Diwali Pujas von 1999 in Delphi, Griechenland, präsentieren. Es zeigt, warum das Kali Yuga trotzdem Teil eines göttlichen Plans ist und welcher Sinn sich dahinter verbirgt:

 

… Diwali ist von großer Bedeutung, denn heute ist der dunkelste Tag, die dunkelste und längste Nacht. Um das zu beenden, zünden sie Lichter an. Die Atmosphäre ist dunkel und schwarz, die Sonne verschwunden. Deshalb zünden sie diese Lichter an. Genauso ist es mit dem Kali Yuga. Man kann sich das Kali Yuga auch als einen Tag vorstellen. Alles ist dunkel und schrecklich und es gibt viele Probleme. Es hat unser Leben ganz elendig gemacht und wir wissen nicht, wie wir leben sollen. In diesem Moment ist es notwendig, die Menschen zu erleuchten. Das Kali Yuga ist jetzt am schlimmsten. Sogar die Dinge, die die Menschen im Namen Gottes tun, sind schockierend. Doch das ist das Kali Yuga, in dem wir das Gefühl für die Richtung vollständig verloren haben. Wir wissen nicht, welchen Weg wir gehen.

 

Wir machen alle möglichen falschen Dinge und glauben, dass es in Ordnung ist. "Was ist schon falsch dabei?" Alles, was man ihnen erzählt - "Was ist schon falsch dabei?" Wenn man ihnen sagt: “Mach das nicht“, dann fragen sie: "Warum nicht?"

 

Alle sind sehr individualistisch geworden. Doch eigentlich sind sie es nicht, weil sie alle einer Mode folgen, einem Stil. Sie sind keine Individualisten, sondern Sklaven. Sie glauben zwar, dass sie völlig unabhängig und freie Menschen sind und dass sie machen können, was sie wollen. Doch was ist als Ergebnis dieser Vorstellung von Freiheit im Kali Yuga aus ihnen geworden? Sie wurden extrem hässlich. Die Dinge, die sie im Kali Yuga machen, sind unglaublich. Sogar als Priester in der Kirche – dieses und jenes –, sie sind so entsetzlich unmoralisch geworden, dass man einfach nicht glauben kann, wie das im Namen oder unter dem Dach Gottes passieren kann. Doch es hat begonnen. Das ist das Kali Yuga. Und dieses Kali Yuga muss beendet werden.

 

Um diese nächtliche Finsternis zu beenden, stellen wir Lichter auf. Auf die gleiche Art sollen die Menschen erleuchtet werden. In ihrem Herzen soll Licht sein. Sobald sie erleuchtet sind, wird diese Finsternis, unter der wir aufgrund unserer Unwissenheit leiden, aufhören; und wir werden über das absolute Wissen verfügen. Dieses neue Zeitalter, von dem wir reden, ist hier, genau jetzt und hier. Alle erleuchteten Menschen werden zusammen sein, und sie werden wissen, was Licht, was wirkliches Wissen ist – Gyana. Also ist unser Weg der des Wissens - eines Wissens, das Liebe, das Mitgefühl ist. Das müssen wir verstehen. Wir haben einen neuen Bereich, eine andere Arena betreten, in die alle Geplänkel und Schwierigkeiten des Kali Yuga nicht eindringen können. Es regnet draußen, nicht hier drinnen. Wir sind jetzt nicht nur frei, sondern alles, was wir tun, geschieht in völliger Freiheit, wo wir nicht an irgendetwas gebunden sind, das uns entwürdigt und unseren Zugriff auf die Wahrheit lockert. Wenn eine solche Persönlichkeit einbezogen wird, dann verschwinden alle Vorstellungen des Kali Yugas.

 

Doch ich muss darauf hinweisen, dass gleichzeitig das Jüngste Gericht stattfindet. Diejenigen, die die Wahrheit akzeptieren, sich innerhalb ihrer Grenzen bewegen und in ihr wachsen, werden übrigbleiben, alle anderen werden umkommen. Es ist bereits gesagt worden. Wenn man einen Garten mit ein paar Bäume hat, die gut gedüngt werden, viel Wasser und Liebe bekommen und die auch den Menschen so viel geben, dann beleiben sie erhalten. Die anderen werden verbrannt und ausgerissen. Genauso müsst ihr zuerst die Liebe akzeptieren, sie annehmen, euch selbst daran nähren, und dann gebt ihr sie an andere weiter. Das ist eine einfache Möglichkeit, die Flüche des Kali Yugas zu überwinden.

 

Das Kali Yuga ist so voller Dunkelheit, dass wir anfangen, gegenseitig auf uns einzuschlagen. Z. B. sitzt ihr hier und auf einmal wird es dunkel. Dann würdet ihr gar nicht wissen, wie ihr euch bewegen sollt, ob ihr andere anstoßt oder nicht, neben wem ihr sitzt – gar nichts. Genauso ist es mit der Dunkelheit im Herzen, im Verstand. Man weiß nicht, wo man ist, was man tut, was man tun sollte und schlägt weiter auf andere ein wie in einem Amoklauf. Das ist die Bedeutung des Kali Yugas. Und wer dies durchschaut und sich davon befreit, ist ein Sahaja Yogi. Doch wenn ihr immer noch denselben Randbereichen frönt, den gleichen Kreisen von Unausgeglichenheit, seid ihr genauso wie die anderen.

 

Eine andere Seite des Kali Yugas besteht darin, dass man es sich einfach nicht selber zuschreibt, wenn man einen Schlag abbekommt oder sogar zerstört wird. So entwickelt man eine neue schreckliche Einstellung, durch die man andere verantwortlich macht, aber niemals sich selbst. Es ist dein Fehler, dass du dich stößt. Du selbst bist es, der falsch gehandelt hat. Das ist das, was wir Illusion nennen – Bhraanti. Und diese Illusion muss verschwinden. Vom Kali Yuga wird gesagt, dass es das Zeitalter der Illusionen ist, und wenn du dich darin verstrickst, dann ist es aus mit dir. Doch wenn du die Illusion erkennst, dann bemühst du dich, die Wahrheit zu suchen. Das ist der Grund, warum das Suchen heute so stark ausgeprägt ist, denn sie fühlen, dass es eine Illusion ist. Sie wissen, dass es nicht die Wahrheit ist. Und wenn man das einmal weiß, was macht man dann? Man möchte wissen, was und wo die Wahrheit ist und bemüht sich, sie zu finden. Das ist alles. Darum hat in diesem Kali Yuga auch das Suchen angefangen.

 

Die Geschichte vom Kali Yuga wird auch in einer anderen Purana, der Damayanti Purana erzählt. Damayanti, die Frau von Nala, wurde durch dieselben, von Kali geschaffen Illusionen von ihm getrennt. Eines Tages bekam Nala diesen schrecklichen Kali in die Finger und sagte: "Jetzt werde ich dich erwürgen und Schluss mit dir machen." "In Ordnung, dass kannst du tun. Doch zuerst höre dir mein Mahatmyam an, welche Bedeutung ich habe und warum ich hier bin", sagte Kali, und Nala wartete und war einverstanden. – „Wenn du mir zuhörst, erzähle ich es dir. – Wenn ich komme und die Welt regiere, also im Kali Yuga, werden die Menschen in Bhraanti, in Verwirrung verstrickt werden. Sie werden nicht wissen, was wahr ist und was nicht. Dann werden sie sich bemühen, nach der Wahrheit zu suchen. Und zwar nicht nur die Leute, die in den Dschungel gehen und allem entsagen, sondern es wird noch eine andere Sorte geben. Die Menschen, die diese Art der Suche betreiben, werden im Kali Yuga geboren und normale Haushälter sein und allen Illusionen verfallen. Doch wenn sie sich darin verstricken, fangen sie an zu suchen, weil sie erkennen, dass das die Unwahrheit ist und sie werden nach der Wahrheit suchen. Nur in dieser Zeit werden sie ihre Selbstverwirklichung erhalten."

 

Das sagte Kali ganz klar vor ein paar tausend Jahren. Also ist das Kali Yuga eine Zeit, in der die Menschen ihre Selbst-Verwirklichung bekommen können. Sie werden sich selbst erkennen und wissen, was wahr ist. Das wurde vor langer Zeit gesagt und ihr könnt sehen, wie es jetzt geschieht. Darin also liegt die Bedeutung dieser Zeit. Denn, wenn ihr in Ordnung seid, im Satya Yuga (oder auch hier), dann sucht ihr nicht. Ihr akzeptiert alles, seid gehorsam und gute Menschen, fertig. Aber im Kali Yuga fangt ihr wirklich an, nach der absoluten Wahrheit zu suchen. Und das ist der Grund, warum diese Lichter diese Art von Charakter oder - wir können auch sagen - die Seele darstellen, die erleuchtet wird. Ihr seid erleuchtete Seelen. Das ist Diwali für mich. Wenn die Menschen erleuchtet sind, das ist Diwali. Wenn die ganze Dunkelheit des Kali Yugas verscheucht wird und ihr alle die Schönheit und Freude des Kali Yugas genießt.

 

Ich sollte sagen, dass es sehr, sehr symbolisch ist, dass Diwali bereits begonnen hat. Wir haben viele Lichter und wir müssen noch mehr bekommen – nicht weil wir zu wenig Licht haben. Warum nehmen wir mehr Lichter? Warum wollen wir das? Weil alle gerettet werden müssen. Unser Bemühen ist es, jeden einzelnen von ihnen zu retten …

 

 

Hier das Video mit der vollständigen Pujarede (auf Englisch):